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Schnappschuss oder Fotografie-Kunst?

24. Februar 2021

Lesezeit: 4 Minuten

Das Smartphone macht heute jeden zum Fotografen. Doch wann ist Fotografie Kunst? Und wann lohnt sich ein Investment?

2014 musste die Geschichte der Fotografie-Kunst umgeschrieben werden. In Las Vegas wurde das Schwarz-Weiß-Foto „Phantom“ des australischen Starfotografen Peter Lik für 6,5 Millionen US-Dollar an einen privaten Sammler versteigert. „Phantom“ verdrängte damit „Rhein II“ des deutschen Fotokünstlers Andreas Gursky vom Spitzenplatz, das 2011 für 4,3 Millionen Dollar bei Christie’s in New York versteigert wurde.

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Bilder unter Kitschverdacht

Damit sind nun vier Bilder Liks unter den 20 teuersten Fotos der Welt. Dass gerade Liks Natur- und Landschaftspanoramen auf dem Markt derart einschlagen, ist bemerkenswert. Denn in Fachkreisen stehen seine Bilder unter Kitschverdacht. Der britische „Guardian“ schrieb, man könne sich „Phantom“ auch sehr gut als „abgedroschenes Poster in einem schicken Hotel“ vorstellen. Tatsächlich: Lik hat das Foto im berühmten Antelope Canyon in Arizona aufgenommen, der bei Fotografen wie Touristen sehr beliebt ist, weil Wasser den Sandstein in Millionen Jahren außergewöhnlich verformt hat. Mittags, wenn die Sonne für kurze Zeit von oben in den Canyon scheint, ergeben sich spektakuläre Farb- und Lichtspiele.

Auch wenn Liks Foto im herkömmlichem Sinne „schön“ ist und handwerklich besser als jeder Schnappschuss eines Laien, weil Bildausschnitt und Komposition stimmen – eine tiefere Idee steckt nicht dahinter. Und doch scheint Liks Fotografie Betrachter und Sammler weltweit mehr zu begeistern als die Fotokunst von Andreas Gursky, Cindy Sherman (3,9 Mio. Dollar) und Jeff Wall (3,6 Mio. Dollar), den Nummern zwei bis vier auf der Rangliste der für ein Foto bestbezahlten Fotografen weltweit.

Wann ist Fotografie Kunst und wann nur Dekoration?

Als entscheidendes Kriterium für den Kunstgehalt einer Fotografie gilt bis heute Susan Sontags Diktum des Neuen: die Erforschung neuer formaler Möglichkeiten, die Erfindung neuer Bildsprachen, das fotografische Sehen. So wie der Avantgardist Man Ray die Fotografie erstmals als künstlerisches Werkzeug nutzte und Wolfgang Tillmans Jahrzehnte später die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei verwischte. So wie Bernd und Hilla Becher in den späten 70er-Jahren die Neue Sachlichkeit der 20er weiterentwickelten und den Blick auf Industriedenkmäler und Wassertürme revolutionierten. So wie sich die Becher-Schüler Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff und Candida Höfer diese Methode zu eigen machten und mit ihren Arbeiten heute Rekordpreise auf dem Fotomarkt erzielen.

Längst ist die Fotografie als Kunst akzeptiert. Sie wird in Museen gezeigt, versteigert, gesammelt und an Hochschulen erforscht. Im Jahr 2000 wurde dem deutschen Fotografen Wolfgang Tillmans als erstem Fotografen und Nichtengländer sogar der renommierte Turner Prize verliehen. Und doch ist die Frage, wann Fotografie Kunst ist und wann nur ein Schnappschuss, heute so aktuell wie vor 100 Jahren.

Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie und Kameras in jedem Smartphone wird sie nur nicht mehr innerhalb eines kleinen Zirkels professioneller Fotografen diskutiert, sondern zusätzlich – und wahrscheinlich viel gnadenloser – auf zahllosen Plattformen im Netz. Das technisch „perfekte“ Foto mag auf der Online-Fotoplattform Instagram erfolgreich sein, kann aber Kitsch sein, weil es nicht „neu“ ist, wie Susan Sontag sagen würde. Interessant gemacht mit vorgefertigten Filtern, die meist an eine vergilbte 70er-Jahre-Ästhetik erinnern, reproduziert es nur bekannte Muster. Es äußert keine Kritik, stellt keine Fragen, löst keinen Dialog aus. Das sind dann auch die Fragen, die sich ein Laie auf der Suche nach einer guten Fotografie stellen sollte: Was löst das Bild in mir aus? Öffnet es mir einen neuen Blick, eine neue Sprache?

Was macht den Wert eines Fotos aus?

„Der Wert eines Werkes zeigt sich nicht allein in der Auflage, im Preis und der möglichen monetären Rendite“, sagt José Hazañas, ein Experte bei Hauck & Aufhäuser im Bereich Kunst. Natürlich erwerbe man einen Sachwert, der Kapital erhalte und sich dank kluger Beratung und manchmal auch Glück über die Jahre als wahrer Goldschatz erweisen könne.

Der Return on Investment sei aber auch die Freude am Bild, findet Hazañas. „Man lebt ja mit der Kunst. Sie spiegelt die eigenen Vorlieben wider und reift mit einem.“ Hazañas selbst entdeckte seine Leidenschaft für Kunst über einen Kunden und Sammler, der ihn zu einer Galerieeröffnung mitnahm. „Je mehr man sieht, desto leichter erkennt man gute Kunst. Auge und Geschmack werden immer geschulter“, berichtet der Experte. Heute eröffnet er H&A-Kunden den Blick auf Kunst als Alternative zur klassischen Geldanlage. Aber nicht nur das: „Kunst ist ein wunderbares Kommunikationsmedium. Wie Sie Ihre Geschäfts- und Privaträume dekorieren, kann das Image Ihres Unternehmens und Ihre Persönlichkeit visuell unterstreichen und erweitern.“

Wie gelingt der Start ins Fotokunst-Investment?

Beim Kunstkauf gelte es, gerade bei jungen, sehr erfolgreichen Unternehmern zunächst Hemmschwellen abzubauen. Fotografie sei dabei ein niedrigschwelliger Einstieg, weil die fotografische Bildsprache meist leichter verständlich sei als Gemälde oder gar Konzeptkunst. „Auf dem Fotografiemarkt ist die Auflagenzahl entscheidend“, erklärt Hazañas. Erst die Limitierung der Abzüge ermöglicht es dem technisch reproduzierbaren Medium, mit anderen Kunstformen zu konkurrieren.

Wer sich noch an das Sammeln herantastet, für den seien Online-Galerien wie Lumas ein guter Startpunkt, rät Hazañas. Wer als Einsteiger auf der Suche nach Schnäppchen ist, wird hier durchaus fündig. Das Portfolio ist groß und umfasst Newcomer der Fotografieszene ebenso wie etablierte Künstler wie Damien Hirst und Erich Lessing.

Ist einmal das Interesse geweckt, leitet Hazañas die Kunden an spezialisierte Kunstberater und Galeristen aus seinem Netzwerk weiter, die darin geschult sind, den Geschmack des Sammlers punktgenau zu treffen. Denn das ist es, was ein gutes Foto ausmacht: Es trifft den Betrachter. Und das ist letztlich auch, was Peter Lik mit seinem Weltrekordfoto „Phantom“ erreichen will: „Mein Ziel ist es, mit allen Fotos die Naturgewalt einzufangen und sie so abzubilden, dass der Betrachter sich leidenschaftlich mit dem Bild verbunden fühlt.“

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